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FAQ

Einige Fragen zum Thema Gesangsunterricht tauchen immer wieder auf.
Hier habe ich die „beliebtesten“ versammelt:

Kann eigentlich jeder singen lernen? Und lohnt sich Unterricht bei mir überhaupt?

Die erste Frage lässt sich sehr leicht beantworten: Ja: jede/r hat eine Stimme und kann damit singen lernen. Immer im Rahmen der Möglichkeiten, die Stimmmaterial, Geschick im Umgang mit der Stimme und künstlerische Kreativität, aber auch äußere Umstände zulassen.
Die zweite Frage können nur sie selbst beantworten! Die Antwort auf die Frage hängt immer auch von den Vorstellungen ab, die der/die Einzelne davon hat, wie guter Gesang zu klingen hat und ob man durch Unterricht in die Lage versetzt werden wird, den eigenen Maßstäben und Ansprüchen annähernd gerecht zu werden.
Wer mit dem Singen liebäugelt, sollte sich vor allem fragen: Was möchte ich erreichen? Möchte ich mich auf eine Aufnahmeprüfung vorbereiten? Meine Leistungen beim Chorgesang verbessern? Lernen, Töne sauberer zu treffen? Mich überwinden, vor Anderen zu singen? Oder einfach nur Freunde im Moment des Singens haben? Hält man die Umsetzung der Ziele für möglich, sollte sich das Singenlernen lohnen!

Wie alt sollte man zum Singenlernen sein? Bin ich zu jung oder zu alt zum Singen?

Für das Singen brauchen wir unseren Kopf und unser Stimmorgan. Beides haben wir unter normalen Umständen unser Leben lang. Daher gibt es keinen Grund, in irgendeinem Alter nicht zu singen, wenn man mal von einer sehr kurzen Phase während des Stimmwechsels in der Jugendzeit absieht. Übungen, Repertoire und Übezeit müssen hierbei selbstverständlich dem generellen Entwicklungsstand und den körperlichen Möglichkeiten angepasst sein.
Gerade ältere Menschen haben oft Bedenken, ob ihre Stimme noch zu verbessern sei. Durch lebenslange Benutzung und hormonelle Veränderungen hat sich die Stimme verändert, klingt nicht mehr so wie früher und ist evt. nicht mehr so leistungsfähig und belastbar. Dabei sollte man bedenken, dass das Stimmorgan genau wie unser übriger Bewegungsapparat hauptsächlich aus Knorpeln, Bändern und Muskeln besteht, die prinzipiell immer trainierbar sind. Aus dem Sport wissen wir, dass uns das Training in jungen Jahren leichter gefallen ist und die Leistungen besser waren. Dennoch würde es uns nicht einfallen, uns in späteren Jahren gar nicht mehr zu bewegen!
Mit der Stimme verhält es sich wie mit unserem Bewegungsapparat: sie profitiert vom Singen, wenn wir sie entsprechend fördern. Die Verbesserung der Gesangsstimme hängt dabei deutlich von einem verbesserten gesangstechnischen Umgang mit ihr ab, und der ist glücklicherweise weitestgehend altersunabhängig! So kann es beispielsweise sein, dass man durch kontinuierliches Üben im Alter besser singt als in jungen Jahren.

Ich habe starke Probleme mit meiner Stimme. Kann ich trotzdem Gesangsunterricht nehmen?

Jein. Es kommt immer wieder vor, dass ich von Menschen angesprochen werde, die schon im alltäglichen Umgang mit ihrer Sprechstimme Probleme in Form von Heiserkeit oder Ähnlichem haben und diese auf dem Weg über Gesangsunterricht verbessern möchten oder die über erhebliche Probleme wie z.B. den Verlust des halben Stimmumfangs oder über völlige Heiserkeit nach 10-minütiger Aktivität beim (Chor-) Singen klagen. Ob Gesangsunterricht in solchen Fällen hilfreich ist, hängt davon ab, ob das auftretende Problem eine Ursache hat, das sich durch Übungen verbessern lässt. Um das herauszufinden, ist eine Untersuchung durch eine/n HNO-Arzt/-Ärztin von Nöten. Können anderweitig zu behandelnde Krankheiten ausgeschlossen werden und gibt von medizinischer Seite aus keine Einwände gegen das Singen, so steht dem Unterricht nichts im Wege.

Stimmbildung oder Gesangsunterricht: wo ist da der Unterschied?

Eine berechtigte Frage! Schließlich wird die Stimme ja auch im Gesangsunterricht gebildet. Ich möchte hier eine einfache, praktisch orientierte und sicher nicht allgemeingültige Antwort geben:
Während Gesangsunterricht in der Regel als Einzelunterricht über einen längeren Zeitraum stattfindet, bei dem intensiv und individuell an der stimmtechnischen und musikalischen Entwicklung einer Person gearbeitet wird, wird Stimmbildung meist zeitlich begrenzt als Gruppenunterricht erteilt, bei welchem allgemein hilfreiche gesangstechnische Übungen häufig zwecks Verbesserung des Gesamtklangs der Gruppe geübt werden.
Bei meinem stimmbildnerischen Unterricht bemühe ich mich trotzdem, Übungen so auszuwählen und zu erläutern, dass auch die einzelne Person möglichst großen Nutzen daraus für sich zieht. Gesangsunterricht ist gegenüber der Stimmbildung jedoch ungleich intensiver und individueller. Aus dem Ablauf einer stimmbildnerischen Übungsstunde lässt sich in meinem Fall keine Schlussfolgerung über den Ablauf einer Gesangsstunde ziehen.

Muss ich Noten lesen können, um Gesangsunterricht zu nehmen?

Zunächst einmal nicht. Prinzipiell ist das Verständnis der Notenschrift für das Singenlernen nicht zwingend erforderlich. Dennoch stößt man ohne eine zumindest grundsätzliche Notenkenntnis schnell an Grenzen.
Schon bei einfachen Gesangsübungen kann man schnell den Überblick verlieren, wenn man alle seine Übungen und die dazugehörigen Anweisungen und Bilder allein im Kopf speichern möchte. Auch die Aufnahme der Übungen mithilfe eines Aufnahmegeräts hilft hier nur bedingt.
Noch schwieriger wird es, wenn man neue Musikstücke einstudieren und interpretieren möchte. In der Regel liegen diese in gedruckter Form vor. Mit den Mitteln des Internets oder über Tonträger findet man heutzutage zwar schnell ein Klangbeispiel oder Video, doch kann und sollte man danach lernen? Wie kann man wissen, ob das, was der/die jeweilige Künstler/in macht, so in den Noten steht, vom Komponisten oder Songwriter so gedacht oder gewollt ist und ob die Interpretation angemessen ist? Gedruckte Noten stellen eine Basis dar, aufgrund derer wir uns mit der Frage nach unserer eigenen Interpretation des jeweiligen Stückes auseinandersetzen können. Beim – in der Regel unkritischen – Abhören und Lernen über Tonträger lernt man über die Töne und Worte hinaus unbewusst immer auch die Interpretation des/der Ausübenden mit. Wir kopieren, werden zum „nachplappernden Papageien“ anstatt auszudrücken, was wir selber sagen, erzählen und vermitteln möchten.
Über kurz oder lang ist es daher für jeden, der sich ausübend mit Musik beschäftigt, unabdingbar, sich mit Musiknotation auseinanderzusetzen. Anzumerken sei hier, dass das Lesen von Noten nicht dem Erlernen von Schriftsprache gleichzusetzen ist, an dessen Endpunkt das flüssige Lesen und Verstehen des gedruckten Wortes steht. Die Fähigkeit Noten zu lesen ist immer graduell. Ein/e Anfänger/in mit einem Melodieinstrument wird beispielsweise zunächst die Grundstrukturen der Notation lernen und die zu spielenden Töne anhand von dazugehörigen Griffen auf dem Instrument identifizieren und spielen können. In einem fortgeschrittenen Stadium kann man die Melodie ohne Instrument in der Vorstellung entstehen lassen, noch später die dazugehörigen Harmonien mitklingen lassen. Einige Berufsmusiker wie Dirigenten können ganze Musikpartituren mit einer Vielzahl von gleichzeitig spielenden Instrumenten im inneren Ohr hören. Wichtig ist, dass jede/r sein Maß an Notenkenntnis findet.
Bei Bedarf kann die Vermittlung von musikalischen Grundlagen und Notationskunde daher in den Gesangsunterricht miteinbezogen werden. Einen Crashkurs „Notenlesen für AnfängerInnen“ gebe ich zweimal jährlich an der Bergischen VHS.

Muss ich ein Instrument spielen können?

Nein. Es kann aber sehr hilfreich sein! Denn wer ein Instrument lernt, wird zwangsläufig früher mit Notenschrift konfrontiert als Sänger/innen. Und findet sie in der Regel auch selbstverständlicher. Der Umgang mit gedruckten Noten wird für den Sänger / die Sängerin viel leichter, wenn er/sie sich die Melodie mit einem Instrument vorspielen kann. Notwendig ist es aber nicht.

Kann man Singen nicht auch aus Büchern, mithilfe von Videos oder Lern-CDs lernen?

Ein klares „Nein“! In letzter Zeit ist das Angebot an Gesangsliteratur geradezu explodiert und Videotutorials werden im Netz täglich neu hochgeladen. Das ist grundsätzlich gut, denn es ist nicht so, dass man von den Anregungen in Büchern oder Videobeispielen nicht profitieren könnte. Aber es gibt drei gewichtige Gründe, warum es eine schlechte Idee ist, diesen Weg als alleinige Lösung zu wählen.
Der erste Grund ist, dass Singenlernen d.h. die Veränderungen von „Gesangsmustern“ sich zu einem großen Teil über Vorstellungen und Ideen, die der Lehrende dem Schüler / der Schülerin vorschlägt, vollzieht. Aber nicht jede Vorstellung löst bei jedem Menschen das Gewünschte aus! Es gibt keine allgemeingültigen Anweisungen, die bei jedem / jeder das Richtige auslösen. Es kann sogar sein, dass ein und dieselbe Idee einer Person hilft, bei einer anderen aber kontraproduktiv ist. Aufgabe des Lehrenden ist es daher, Vorstellungen und Bilder zu finden, die für den Schüler / die Schülerin passen, um so eine gemeinsame Kommunikationsebene zu schaffen. Bücher und Videos bieten hier naturgemäß nur eine begrenzte Auswahl und können nicht individuell reagieren.
Der zweite Grund: Medien können nicht korrigieren. Zum Singen gehört Probieren. Doch wann geht man in die richtige Richtung? Wann ist etwas sogar falsch? Das Buch, die CD oder das Video sagen es dem Sänger / der Sängerin nicht. Doch das wäre essenziell, denn ein großer Teil des Lernprozesses besteht darin, genau dies herauszufinden. Geschieht das nicht, übt man auch seine immer weiter Fehler mit.
Und last but not least: Wenn wir singen lernen, sollten wir bei der Auswahl unserer Übungen immer von unseren eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten ausgehen. Wir starten in Tonlagen, die uns angenehm sind und weiten den Umfang weiter aus. Wir üben zunächst auf Vokalen, die uns leicht fallen und uns helfen, unsere Klangresonanz zu finden. Und wir gehen über zu Übungen, die unsere Schwächen ausloten sollen. Tutorials und Mitsinge-CDs – auch solche, die zwischen hohen und tiefen Stimmen unterscheiden- präsentieren Übungen in beliebigen Tonarten. Sie steigen in Höhen und Tiefen ohne Rücksicht auf die Möglichkeiten des Schülers/der Schülerin. Sie geben irgendeinen Vokal vor. Und ob die Auswahl der Übungen zum Schüler / der Schülerin passt, ist Zufall. Zielgerichtetes Üben ist so nicht möglich.